Kirche St. Petri Wörlitz

Im Jahre 1160 gab Albrecht der Bär, der berühmte askanische Markgraf von Brandenburg, den Befehl, eine steinerne Kirche zu errichten (man vermutet, dass sich davor an selber Stelle eine Holzkirche befand). Da er jedoch bald darauf starb, wurde sein jüngerer Sohn, Herzog Bernhard von Sachsen, Bauherr der in romanischem Stil erbauten Kirche.

Am 1. Weihnachtsfeiertag im Jahre 1200 wurde die Kirche, die zwischen 1196 und 1200 errichtet wurde, von Bischof Norbert von Brandenburg geweiht. Er handelte im Auftrag des Papstes Cölestin III. Aus dieser Zeit sind uns heute noch die Grundmauern bis in Höhe der Fenster, der Triumphbogen, das südliche Portal mit den romanischen Säulen (Brautpforte), das Gewölbe im westlichen Ausgang und die dort liegenden Fliesen und der Sakramentsschrein (nördlich des Altares) erhalten. Im Mittelalter gab es keine größeren baulichen Veränderungen, auch blieb die Kirche sowohl von Blitzschlag als auch vor Kriegsverwüstungen verschont.

Aus dem 16. Jahrhundert stammen die 4 Epitaphien (Epitaphium = Erinnerungsmal für einen Verstorbenen an einer Kirche). Sie wurden zu Ehren vermögender Wörlitzer Bürger, die für die Kirche größere Summen gespendet hatten, angebracht. Zwei andere Epitaphien, die sich in der Kirche befinden, wurden erst später von Fürst Franz von Anhalt-Dessau hierher gebracht. Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen (1492-1566) stellte sich schon 1526 auf die Seite der Protestanten, so dass es möglich war, dass Martin Luther schon 1532 vor den askanischen Fürsten in der Wörlitzer Kirche predigte. 1538 hielt er hier noch einmal einen Gottesdienst „… vor sieben Bauern und zwei alten Weiblein“. Das holzgeschnitzte Wappen über dem Triumphbogen zeigt die 5 Fürstentümer Anhalts und stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817), welcher den Wörlitzer Park anlegen ließ, studierte auf etlichen Reisen in die Schweiz, nach Italien, Frankreich, Holland und England die Zeugnisse von Architektur und Gartenkunst. Am meisten beeindruckten ihn die Gärten und die Baukunst in England. In den Jahren 1804-1809 ließ er, angeregt von der englischen Tudorgotik (Neugotik), die Wörlitzer Kirche in diesem Baustil umbauen. Sein Architekt war Baurat Christoph Hesekiel. Die Kirche bekam ein Querschiff und der Turm wurde auf 66 Meter erhöht. Der Orgelprospekt, dem vom Mailänder Dom nachempfunden, die Emporen, die Fürstenloge und der Fußboden stammen aus dieser Zeit.

Der Altartisch ist das Geschenk eines italienischen Fürsten an Fürst Franz, welcher ihn der Kirche schenkte. Unter dem Altar befindet sich eine Gruft, in der Georg Aribert Prinz von Anhalt-Dessau und ein bei einem Duell getöteter Holländer, Martin Arndt, Freiherr von Dockum, ihre letzte Ruhestätte fanden.

Die Kanzel wurde 1808 vom Wörlitzer Zimmermannsmeister Friedrich Naumann angefertigt. Er verwendete hierfür heimische Hölzer wie Birnbaum, Schwarzpappel, Eibe und Eiche. Die Holzpfeiler in der Kirche bestehen aus Eiche und Eibe und die Brüstungen der Emporen aus Kiefernholz. Gegenüber der Kanzel hängt ein Luther-Triptychon aus der Werkstatt Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553) von 1547. Auf den Seitentafeln ist Luthers Lebenslauf in Vulgärlatein aufgeschrieben.

An der nördlichen Wand, gegenüber des Eingangs befinden sich zwei Tafelbilder von 1553; eines zeigt Martin Luther, das andere Philipp Melanchthon, beide sind aus der Cranach-Werkstatt Lucas Cranach d. J. (1515-1586).

Als Auftragsarbeit des Fürsten entstanden 1811/1812 die Bilder „Taufe Christi“ und „Abendmahl“ der Brüder Heinrich (1783-1848) und Ferdinand Olivier (1785-1841). Die Bilder sind im Querschiff über den Emporen angebracht.

Das weiße Gestühl unterhalb der Fürstenloge in der Apsis war den Kirchenältesten vorbehalten.

Die Kirchenbänke stammen nicht aus der Zeit des Umbaus. Sie kommen aus der Akener Kirche „St. Marien“ (Mittelschiff), aus der Horstdorfer Kirche (Seitenschiffe), und aus der St. Trinitatiskirche Zerbst (oberste Empore). Im Jahre 1895 erhielt die Wörlitzer Kirche eine Orgel aus der Zörbiger Werkstatt Rühlmann & Sohn (Opus 176). Diese Orgel hat 14 Register, 2 Manuale, 1 Pedal und ca. 1000 Pfeifen. Nicht nur Lippenpfeifen, sondern auch Zungenpfeifen (wie sie meist in französischen Kirchen anzutreffen sind) fanden Verwendung. Die Inschrift auf der Brüstung der Orgelempore enthält Worte aus einem Auferstehungsoratorium von Carl Heinrich Graun, welcher ein Zeitgenosse Bachs war. 1985/1986 wurde die Kirche innen von Handwerkern und Helfern aus Wörlitz und Umgebung restauriert. Das Dach wurde 1991/1992 neu gedeckt. Dabei wurde der Turmknopf abgenommen und geöffnet. Er enthielt Münzen, Handwerkersprüche, ein Dessauer Theaterprogramm und Informationen zum Zeitgeschehen Anfang des 19. Jh., welche von dem Dichter und Sekretär der Fürstin Luise, Friedrich von Matthisson, aufgeschrieben worden waren. Der Gemeindekirchenrat legte Zeitzeugnisse ähnlicher Art von 1992 in den restaurierten Turmknopf. Der Kirchturm hat eine elektromechanische Turmuhr mit 4 Zifferblättern und drei Glocken. Die Glocken läuten zum Gottesdienst und werden zur Viertel- und vollen Stunde geschlagen.

Von 2000 bis 2001 fanden die Restaurierung der gesamten Außenfassade sowie eine Schwammsanierung am Kirchen- und Querschiffdach statt.

Seit 1994 befindet sich in der ehemaligen Türmerwohnung der „Bibelturm“, ein bibelmissionarisches, ökumenisches Projekt, das durch Ausstellungen den Menschen von heute die Bibel wieder näherbringen möchte. Zurzeit erleben Sie die Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde“. Im Frühjahr 2017 wird die neue Ausstellung „feste feiern“ eröffnet.

Derzeit (2016) wird sonntags 10:30 Uhr Gottesdienst gefeiert.

Die Wörlitzer Evangelische Kirchengemeinde hat 275 Gemeindeglieder.

Pfarrer Thomas Pfennigsdorf

Evangelische Kirchengemeinde St. Petri, Wörlitz

Kirchengemeinde St. Petri Wörlitz

Eine christliche Gemeinde gibt es in Wörlitz schon sehr lange. Mindestens seit 1201, da wurde die erste Wörlitzer Kirche geweiht, werden hier Gottesdienste gefeiert, seit 1532 sind sie evangelisch. Die Wörlitzer Gemeinde hat rund 300 Mitglieder, ihr Gemeindeleben vollzieht sich in zwei Phasen: Vom Palmsonntag an feiern die Kirchengemeinde und ihre Gäste die Gottesdienste in der Kirche, ab November hingegen im Gemeinderaum. Einen Schwerpunkt in Wörlitz bildet die touristische Arbeit, deshalb ist die Petrikirche von Palmarum bis Mitte Oktober auch täglich (außer montags) sechs Stunden lang geöffnet. 30.000 Gäste nutzen dieses Angebot jährlich zu Besichtigung und Gebet. Die Kirche St. Petri ist Station am Lutherweg Sachsen-Anhalt.

Die Wörlitzer Sommermusiken, die in der Regel alle 14 Tage um 15.00 Uhr stattfinden, sind fester Bestandteil des Gemeindelebens. Sie werden sehr abwechslungsreich von der Kantorin der Gemeinde gestaltet und erfreuen sich eines wachsenden Zuspruchs. Gute und anspruchsvolle Kirchenmusik gehört generell zum Profil der Petrigemeinde. Neben traditionellem Kirchen- und Kinderchor gibt es einen Gospelchor, die „Gospelteens“, und verschiedene Instrumentalkreise.

Untrennbar verbunden mit dem Gemeindeleben sind die Angebote des Bibelturms Wörlitz, an dessen Bibelfesten, Pfadfindertagen u.a.m. auch die Kirchengemeinde beteiligt ist. Eine wichtige Rolle spielen auch Aktionen der Kulturstiftung DessauWörlitz im gesamten Dessau-Wörlitzer Gartenreich, etwa das Frühlingserwachen, der Gartenreichtag oder der Markt am ersten Advent. 2009 feierte die Kirchengemeinde den neogotischen Umbau der Petrikirche vor 200 Jahren.

Evangelische Kirchengemeinde St. Petri, Wörlitz